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Die Whiskylesung mit Udo Sonntag im Rahmen des ersten Whiskyfestivals des Hotel Behrens in Haldensleben Ende September bot vertiefte Einblicke in das Leben der Whiskylegende Jim McEwan.

Von Patrick Tilke

Er sei schlicht „stolz auf diesen Moment“, so Roman Behrens feierlich im Kilt gekleidet zur Eröffnung der Whiskylesung mit Udo Sonntag. Behrens führt gemeinsam mit Frau Kathrin das Hotel Behrens mit eigener Whisky Bar in Sachsen-Anhalt. Die Lesung war Teil des ersten Whiskyfestivals des Hotels, dass über vier Tage den Whisky und die Sinne in den Mittelpunkt stellte. Denn man könne, so Behrens, „Whisky neben dem Sehen und Schmecken auch Hören.“ Zum Auftakt war eine „Whiskyvernissage“ mit Gemälden der Künstlerin Susanne Brandt unter dem Titel „SelbsgeBRANDTes“ geboten: „Die Reise mit dem Segelschiff Thalassa 2016 entlang der Inneren Hebriden in Schottland gab hierzu den Anstoß“, erinnert sich Behrens und ergänzt: „Whisky verbindet“.

Bereits am Vorabend war ein Whisky Tasting unter dem Motto „Islay – Isle of my heart“ mit Udo Sonntag geboten. Die Whiskylesung mit Dinner sollte das große Finale bilden. Denn Sonntag, der eigentlich als Religionslehrer tätig ist, präsentierte seine Biographie über Jim McEwan, der für seine Arbeit in den Brennereien Bowmore und Bruichladdich auf der Insel Islay berühmt wurde. Das Buch sei 2020 als „Corona-Projekt“ entstanden, erinnert sich Sonntag, in Form von „stundenlangen Online-Interviews und einem extrem intensiven Jahr“. Woraus folgte, dass das ursprünglich auf 200 Seiten geplante Buch viel dicker wurde, ergänzt um einen Bildband. Die freundschaftliche Verbindung zu McEwan und die gemeinsame Arbeit am Buch habe dies einfach ergeben.

Sonntag betonte, dass Whisky im Dreiklang von „Kulinarik, Verkosten und auf die Ohren die Leute zusammenbringt“. Die folgenden Stunden lauschte man der Geschichte des „Journeyman“ Jim McEwan, des „Gesellen“, der sich früh auf die Reise in die Whiskywelt machte. Womit von Gang zu Gang des Dinners immer mehr rührige und humorige Anekdoten über McEwan offenbart wurden, der den Whisky Zeit seines Lebens prägen sollte. So erfährt man zum Beispiel, dass der 1948 geborene Ileach (so nennt man die Einwohner der Insel Islay) mit dem scheinbar nicht enden wollenden Leuchten in den Augen bereits als Kind täglich an der Brennerei Bowmore vorbei zur Schule spazierte, bis er in den „Potato Holidays“ auch selbst einmal Hand in der Brennerei anlegen darf.

Zuerst will er das Handwerk der Mälzerei erlernen, welches ihn bei der Beobachtung durch das Fenster sichtlich beeindruckte und das bereits sein Opa hier vollzog. Doch dann erlernt er von dem Meister Küfer David Bell das Handwerk des Fassmachens und erbt später dessen hochpoliertes, im Gartenhau versteckte Werkzeug, dass heute in der Brennerei ausgestellt ist. Und gab es zu Beginn noch schlicht einen Sack Kartoffeln als Lohn, sollte später das Pfand für leere Limonadenflaschen den ersten Gewinn bringen. Jahre später erhält er von Bell schließlich die Schlüssel zu den Lagerhäusern: eine große Ehre, die McEwan nie vergaß. Zuletzt erwuchs er zum Distillery Manager der Brennerei, der Höhepunkt seiner Karriere bei Bowmore.

Natürlich darf auch die Liebesgeschichte um seine Ex-Freundin nicht fehlen, die später seine Frau wurde. Auch die Arbeit zeigt sich in der Biographie als ein Abenteuer: Sie führt ihn nach Japan und um die ganze Welt zur Schulung um den schottischen Single Malt. Die wenigen Tage zuhause verbringt er mit der Familie und an der geheimen „McEwan´s Bay“ auf Islay. Doch schließlich bringt ein Anruf von den Gründern der Brennerei Bruichladdich McEwan weg von seinem Job, bei dem er nach knapp 40 Jahren alles erreicht hat und auf neue Wege. Er sagt sofort zu, sollte in der Folge die Brennerei Bruichladdich von Grund auf neu aufbauen und ihren Whisky zu einem der bekanntesten Malts weltweit machen: verpackt in der auffallend, im Farbton Pantone 325 lackierten Flasche (Aquamarin!).

Die Lesung bot viele Momente zur Träumerei zwischen Amuse Bouche und drei Gängen aus Kürbissuppe, Rinderfilet und Schokoladen-Mousse. Serviert wurden acht Whiskys von Bowmore und Bruichladdich, darunter ein Port Charlotte von The Cask Whisperer (56,5%). Bei dem privaten, elf Jahre gereiftem Whisky von McEwan handelte es sich um ein Bordeaux Fass. Im Rahmen des Festivals präsentierte zudem Nils Greese von Whiskyfässer.com seine Whiskyfässer, -deckel und -utensilien sowie als Neuheit auch aus Fassdauben gefertigte Bilderrahmen (www.whiskyfässer.com). Das Buch „A Journeyman´s Journey. Die Geschichte des Jim McEwan“ (528 Seiten) kann man, neben dem Bildband „Jim McEwan. Isle of my heart“ (200 Seiten) online auch im Whisky-Bundle bestellen.

Die Broschüre mit allen Informationen rund um das Whiskyfestival gibt es hier zum Download. In unserer Foto Story zum Event gibt es noch mehr Impressionen. Die Bar des Hotel Behrens in Haldensleben in Sachsen-Anhalt findet sich auch im FINDER des Whisky Guide Online.

www.hotel-behrens.com
www.jimsbiography.com