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www.whiskyfässer.com

Wir kennen das: Erzählungen, die uns packen, sind oft solche, bei denen sich ein Zufall an den anderen reiht. Alles hätte auch anders kommen können. Kam‘s aber nicht. Und so können wir hier von einer wirklich schmucken Passion berichten, die die Liebhaber des flüssigen Sonnenscheins zur Genüge kennen dürften: Whiskyfässer. Allerdings geht es in diesem Fall darum, was man aus ihnen noch alles gewinnen und machen kann.

Wir wollen hier einmal eine Geschichte erzählen, die – wie schon angedeutet – auch ganz anders hätte kommen können. In Zeitraffer ließe sie sich so erzählen: Durch die Wende öffnet sich der Westen für den Osten. Ein junger Mann aus Rostock kommt so nach Hamburg, wird dort St. Pauli Fan, fährt mit einer Fantruppe nach Glasgow, wird dadurch zum Celtic Fan, bekommt einen Single Malt Whisky (Macallan!) geschenkt, in den er sich ebenfalls verliebt, übernimmt wenig später die Tischlerei seines Vaters in Rostock, reist seither regelmäßig nach Schottland und nutzt Jahre später eine Flaute im Betrieb zu ein, zwei Umbauten von Whiskyfässern für Freunde, was derart gut ankommt, dass er diese eigentlich nur einmalige Geschichte kaum zwei Jahre später zu einem eigenen Geschäftszweig ausbauen kann, der – jetzt kommt es – mit der Zeit sogar international wahrgenommen und nachgefragt wird. Die Rede ist von „Whiskyfässer.com“. Und so von der Tischlerei Nils Greese am alten Friedhof von Laage bei Rostock. Die Hausnummer 3 könnte man der Vollständigkeit halber noch hinzufügen.

St. Pauli, Celtic & der Whisky

Nils Greese lernte ich das erste Mal auf dem „Whisky Herbst“ in Berlin kennen. Dort stellte er seine umgebauten Whiskyfässer aus. Die Schränke daraus fielen sichtbar ins Auge. Die Glasständer und Regale aus den Fassdauben machten Eindruck als nette Accessoires in der Wohnung. Und in den ebenfalls ausgestellten Couchtisch aus einer Glasplatte und einem halbierten Fass als Fuß verliebte ich mich auf Anhieb. Der hoch aufgeschossene, eher spindeldürre und langhaarige Tischler aus Rostock signalisierte mir gegenüber Interesse an einer Werbeschaltung im „Whisky-Botschafter“. Die Facebook-Usern unter den Lesern dürfte sie schon aufgefallen sein. Einige Zeit später nahm Nils Greese dann an der Whisky-Botschafter Studienreise mit der SS Thalassa teil. Und spätestens durch diese gemeinsame Zeit wurde mir das ganze Ausmaß seiner Passion, die er mit dem Whiskyfässer-Projekt lebt, erst richtig bewusst. Hinter ihr verbirgt sich keineswegs nur, wie man vielleicht meinen könnte, ein Spleen oder bloße Spielerei. Weit gefehlt! Das ist durch und durch professionell und hochwertig in der Ausführung und erfreut sich einer ungemeinen Nachfrage, sogar auch – hört, hört! – international aus Ländern wie Finnland, Kanada, Luxemburg, Polen, Italien, Österreich und der Schweiz. Und wenn wir schon solch eine Perle in unseren eigenen Gefilden in Deutschland haben, dann sollten wir sie doch auch einmal gesondert in unseren Mittelpunkt rücken, oder?

So entstehen Ideen zu Wandregalen oder Glashaltern: Nils Greese mit frisch ausgelösten Dauben aus Whiskyfässern

Tischlertradition mit Herz und Verstand

Man muss sich diesen Nils Greese übrigens als völligen „Normalo“ vorstellen. Etwas flippig, so könnte man auf den ersten Blick meinen, ob seines Äußeren. Doch er ist – typisch „Holzwurm“ – durch und durch bodenständig und vor allem rechtschaffen, als St. Pauli Fan überdies so leidensfähig wie unverwüstlich lebensfroh – und ansonsten besitzt er schlicht alle uns bekannten Merkmale einer fortgeschrittenen Infektion zur Whisky-Liebhaberei, die nicht nur durchscheint, wenn man ihn über Whiskyfässer reden hört, dort aber besonders. Für ihn sind sie eine „lebendige Materie“ – voller Geschichten und Anekdoten, je mehr man mit ihnen zu tun hat und ihr Innenleben durch die erneute Verarbeitung noch genauer erlebt und studiert. Wenn er so zu Reden beginnt und dabei fast schon ins Philosophische hinübergleitet, muss man ihn fast bremsen, obwohl Greese als ein Mann von der Küste eher nicht zu den gesprächigsten Menschen gehört. Sein Credo ist eher simpel: „Ich mag Whisky. Ich mag Schottland. Und ich habe täglich mit Holz zu tun. Da lag das mit den Fässern eigentlich schon nahe. Es musste nur erst einmal als Funken in mir zünden.“

Schränke, Tische, Regale, Manschettenknöpfe

Wobei er mich um der Wahrheit willen korrigiert: „Man muss aber schon auch dazu sagen, dass ich durch ein umgebautes Fass in einem Whiskyshop am Flughafen von Amsterdam erst auf diese Idee gekommen bin.“ Heute treiben ihn oft die speziellen Wünsche der Kunden zu neuen Ideen, Lösungen und Produkten in seinem Portfolio an. Denn man kann sich seine eigenen Ideen und Vorstellungen von ihm realisieren lassen. So gibt es bei ihm in der Regel Grundpreise für Schränke, Regale, Tische und dergleichen mehr. Der Rest ist Verabredung. Doch auch roh und unbearbeitet sind Deckel oder ganze Fässer erhältlich. Die Fässer später allerdings anders aussehen zu lassen als sie tatsächlich sind oder waren, widerspricht seinem Credo. Dafür ist er zu sehr Liebhaber und Traditionalist als Handwerker, so wie er es noch von seinem Vater und der wiederum von seinem Vater gelernt hat. Dafür finden sich viele andere nette, oft kleine Liebhaber-Accessoires in seinem Angebot: Nassrasierer zum Beispiel, aber auch Brieföffner, Manschettenknöpfe, Kugelschreiber und dergleichen mehr, alles gefertigt aus Dauben früherer Whiskyfässer. Ach, was rede ich groß noch. Man sollte schlicht einmal auf der Webseite von „Whiskyfässer.com“ stöbern. Oder gleich zum Hörer greifen, wenn da einem schon länger so eine Idee durch den Kopf herumgeistert. Mit diesem Mann von der Ostsee-Küste lässt sich reden. Und das erst recht unter gleichgesinnten Verrückten…

Adresse

Tischlerei Nils Greese
Am alten Friedhof 3
18299 Laage

Website & Online-Shop

www.whiskyfaesser.com