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Erste Selbstfindung

Von Gregor Haslinger

Wenn man nach über 20 Jahren Engagement in der Welt des Whiskys gefragt wird, ob man sich noch an die eigenen Anfänge erinnert, ist man im Grunde erst einmal eher verwirrt. Ja, klar hat man Erinnerungen. Sehr viele sogar. Und doch gehen sie gehörig durcheinander. Erst einmal hat man gut zu tun sie alle zu sortieren. Die Anfrage vom Whisky Guide, das auch mal für andere zu Papier zu bringen, klang zwar einfach, war aber nicht ohne.

Kurzum: Als ersten bewussten Kontakt zu schottischem Single Malt Whisky erinnere ich mich an eine Begebenheit aus der späten Schulzeit. Zwei meiner Freunde waren schon etwas tiefer in die Materie eingedrungen und schenkten mir ein Gläschen Ardbeg 1974 von Gordon & MacPhail ein, mit dem Hinweis, das sei der „Vollbremser“!

Keine Frage. Dieser Einstieg war furios und sicher nicht ohne bleibenden Eindruck.

Nicht viel später fand ich mich in einem Whisky-Tasting bei Andy McNeill in Aschaffenburg wieder. Hier beeindruckte mich vor allem das Aprikosen-Aroma eines irischen Whiskeys. Ich kann sagen: Spätestens seit diesem Erlebnis hatte sich bei mir Whisky als eine genuss- und abwechslungsreiche Sache verankert. Das erste Interesse war geweckt.

Doch ich will ehrlich sein und keiner falschen Romantik Vorschub leisten: Dabei blieb es auch zunächst für viele Jahre.

Erst zu Beginn meiner beruflichen Laufbahn als Multimedia-Designer in der Nähe von Frankfurt kam es zur entscheidenden Fügung: Ich stellte fest, dass mein Job zwar lukrativ war, aber soziale Kontakte aufgrund der oft ausufernden Arbeitszeiten verödeten. Also sah ich mich nach einer etwas kontaktfreudigeren Nebenbeschäftigung um. Und da mich das Barwesen schon lange faszinierte, fragte ich kurzerhand in einer Cocktailbar an, die mir besonders sympathisch erschien, es war „die rote bar“ in Frankfurt, ob Bedarf an einer Aushilfskraft bestünde. Infolgedessen verbrachte ich fünf Jahre hinter dem Tresen dieser Bar und lernte gründlich Inhalte und Techniken dieser Frankfurter Institution kennen.

Nach Dienstschluss war dabei regelmäßig „Warenkunde“ angesagt. Dabei wurden Inhalte der Flaschen empirisch im Selbstversuch analysiert. Nur so geht das in der Bar. Probieren geht über Studieren. Und so manifestierte sich bei mir immer mehr, was schon in meiner Jugend das erste Mal angeklopft hatte:

Mein besonderes Interesse für Whisky.

Allen voran solchen schottischer Provenienz.

Es folgten Besuche von ersten Whiskymessen und weiteren Tastings sowie die Anschaffung entsprechender Abfüllungen. Beim Einkauf musste ich allerdings recht bald feststellen, dass das Angebot in meiner Umgebung doch sehr begrenzt war, obwohl ich in Büchern schon von so viel mehr Destillerien und Whiskys gelesen hatte. Derart keimte der Gedanke in mir heran, meiner Leidenschaft doch einen eigenen Rahmen in Form eines Ladens zu geben. In einer zu der Zeit recht herunter gekommenen Umgebung in Frankfurt-Sachsenhausen hatte ich zuvor günstig ein Ladenlokal angemietet, das ich eigentlich für meine mittlerweile selbstständige Multimedia-Tätigkeit nutzen wollte, mit dem Hintergedanken, daraus im besten Falle eine eigene Agentur entstehen zu lassen. Die Ladenfläche der Räumlichkeiten in der Wallstr. 23 blieben also zunächst verwaist. Mein Büro befand sich im hinteren Teil.

Vom Barinhaber wurde ich dann aber immer wieder angespornt, doch einen Whiskyladen zu starten. Ich sollte mich mal mit einem Fachmann beraten.

Zu dieser Zeit war Walter Schobert Direktor des Filmmuseums in Frankfurt. Ich kannte einige seiner Bücher und sein Ruf als „Der Whiskypapst“ eilte ihm weit voraus. Also sprach ich ihn während einer Vernissage in seinem Museum vorsichtig an.

Sofort entbrannte bei ihm eine Begeisterung für die Idee, und in der folgenden Woche hatten wir gleich ein ausführliches Gespräch in seinem Büro, bei dem aber mit keiner Silbe die Worte Kino oder Film fielen. Wir redeten über vieles. Unter anderem empfahl er mir den Kontakt zu einem schon damals bestens aufgestellten Whisky-Importeur Deutschlands, Dieter Kirsch in Syke bei Bremen. Nach Vereinbarung eines Termins fuhr ich mit meinem Wagen und einem mittleren vierstelligen D-Mark Betrag in der Tasche nach Syke und stellte mich dem zunächst etwas spröde wirkenden Herrn Kirsch vor.

Anfangs fühlte ich mich dort etwas fehl am Patz, da permanent das Telefon läutete und der Chef immer nur recht kurz gehaltene Gespräche führte. Als er mich aber in seinem Lager allein stöbern ließ, ging mir das Herz auf. Was soll ich sagen: Mit einem Kofferraum voller Whisky ging es zurück nach Frankfurt…

Damit war Whisky Spirits geboren.

Am 31.11.1998 öffnete mein Laden zum ersten Mal seine Türen.

Inhaltsverzeichnis

Teil 1: Erste Selbstfindung

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Whisky Spirits

Adresse

Whisky Spirits
Wallstr. 23
60594 Frankfurt a.M.

Kontakt

Tel. 0 69/96 20 06 43
www.whiskyspirits.de

Öffnungszeiten

Mo: 16-19 Uhr,
Di – Fr: 16-20 Uhr,
Sa: 11-19 Uhr