Am vergangenen Wochenende fand bereits zum 12. Male die Whisky-Spring in Schwetzingen statt. Veranstaltet in den Zirkelsälen des Schwetzinger Schlosses, dürfte es eines der schönsten Events seiner Art sein. Nicht zuletzt dank der Atmosphäre, die die Säle, aber auch die zahlreichen Aussteller mit ihren Whiskys ausstrahlen, strömten die Besucher und Liebhaber erneut in Scharen herbei. Um hier jedoch nicht die ewiggleiche Leier von Ausstellern und einer eventuellen Whiskyprominenz – die es überall gibt – herunterzubeten, gehe ich diesmal anders heran und lasse stattdessen den einen oder anderen Whisky sprechen, den ich auf der Messe entdeckte und genießen konnte. Allen voran jene, die mir im Gedächtnis haften blieben und so einen nicht unwesentlichen Grund für den Besuch dieser tollen Veranstaltung bilden.


Vorweg mag ich noch sagen: Selbst nach 45 Jahren Beschäftigung mit der Materie gibt es für mich immer noch und immer wieder Flaschen, die mich überraschen und mich erfreuen, und die meinen Horizont erweitern. Und das macht die eigentliche Faszination des Whiskys aus.
Doch zur Sache.
Ein bereits im vergangenen Jahrhundert originalabgefüllter Auchentoshan des Jahrganges 1975 mit 21 Jahren bildete den Auftakt. Normalerweise ist Auchentoshan nicht so meine Destille, aber dieser besaß eine wunderbar weiche Textur und schmeichelte allem und alles, von der Nase über den Gaumen bis zur Kehle. Schade, dass sie sowas nicht mehr machen.
Mit einem 1971er Glenfarclas mit 25 Jahren Reifung im Sherryfass ging es weiter. Dass die Destille darin ihr Handwerk versteht, weiß jeder und steht außer Frage. Dass dieser aber mit lediglich 43 Prozent umso wuchtiger daherkam als moderne Varianten, auch Family Casks ähnlichen Alters, war schon beeindruckend. Davon hätte ich mich den Rest der Messe ernähren können.
Liebe Freunde brachten mir indes ein Muster eines 2006er Scapa mit 17 Jahren vorbei, den man nur direkt in der Destille bekommen kann. Scapa war immer im Schatten; umso schöner, mal so eine normal nicht erhältliche Abfüllung mit ihrer Komplexität, maritimer Salzigkeit und gleichzeitig so unterschwelligen Süße im Glas zu haben, der vieles Vergleichbare zu übertreffen wusste.



Glatte 30 Jahre hatte dann der Caperdonich von 1994 von The Whisky Cask auf dem Buckel und genau diese lange Zeit im Fass wusste er gut zu nutzen: Cremig, süß und zugleich raffiniert verführte er meinen Gaumen und ließ einmal mehr das Bedauern aufkommen, dass Caperdonich leider zu den Lost Distilleries gehört. Wäre dieser Whisky früher der Standard gewesen, würde die Brennerei wohl heute noch existieren.
In die wuchtige Sherryecke ging es dann weiter mit einem 1989er GlenDronach mit 20 Jahren Reifung aus Fass Nummer 3833, der alles mitbrachte, was die Destille groß gemacht hat: Süße, Wucht, Eleganz und vor allem einen ewig langen Abgang. Wohlgemerkt: Das war eines der ersten Einzelfässer dieser Destille nach ihrer Neuausrichtung und gleich ein voller Erfolg! Natürlich ist das aber auch eine lange Geschichte für sich.
1990 nahm die Brennerei Ardbeg gerade erst langsam wieder Fahrt auf, aber immerhin reichte es schon für den hervorragenden Airigh nam Beist, dessen 17-jährigen ich in Schwetzingen genießen konnte. Im Gegensatz zu heute stellte seine rauchig-torfige Seite kein Schlag ins Gesicht dar, wie wir es bei den modernen Whiskys erleben, sondern dieser Whisky ist subtil, eindringlich und vor allem genau das, was man von einem Ardbeg erwarten möchte.



Richtig dekadent wurde es für mich dann mit einem Gläschen ehrwürdigen Bowmores mit stolzen 40 Jahren, der vor einigen Jahren von der Brennerei selbst lanciert wurde. Weit entfernt von den schon berüchtigten Veilchennoten gab es hier nur sanfte, leicht rauchige Perfektion zu genießen, inmitten eines schönen, reichhaltigen Körpers. Wenn ich auch noch entsprechend liquide wäre, stünde der jetzt sicher neben mir und wäre in meinen Besitz übergegangen. Schade drum!
Weit in die Vergangenheit tauchte ich hernach noch ein mit dem 1970er Royal Brackla mit 16 Jahren Reife von Gordon & MacPhail aus der Connoisseurs Choice Reihe. Leidliche 40 Prozent nur, wie zu der Zeit üblich, aber ungeheuer komplex und differenziert. Ein Feuerwerk von Aromen am Gaumen und ein knackiger Abgang. Dass diese alten „Standards“ einfach nicht aufhören wollen! Ein Traum…
Zu guter Letzt wurde es dann nochmal richtig überkandidelt, als mir ein Mortlach ins Glas sprang, dessen Alter ich nicht eruieren konnte, was aber auch keine Rolle spielte, da er bereits 1936(!) gebrannt wurde. Da war selbst ich noch jung. An dem war wirklich alles ein Kracher und ich denke, den merke ich jetzt immer noch im Geiste. Wunderbar!



Eins noch: Da ich alle drei Tage auf der Whisky-Spring verbrachte, weil ich dort mit meinem eigenen Sortiment an Raritäten ausstellte, hatte ich natürlich einen Standortvorteil. Hinzu kommt, dass man sich unter den Ausstellern in der Regel gut kennt und gegenseitig schätzt. Aber wie heißt es doch so schön: Die Whisky Welt ist wie eine Familie, nur dass man sich seine Angehörigen aussuchen kann. Ach, schön war es wieder…
In diesem Sinne: Auf ein Neues im Jahr 2027!
Bis dahin,
Euer
Dirk Rosenboom



